Geschichte Cöpenicks – Die strategische Lage

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KarteTeltowDer Berliner Stadtteil Köpenick gehörte bis zu den Groß-Berliner Gesetzen 1920 zum Umland von Berlin und war der Mark Brandenburg angehörig. Abgesehen davon, dass Cöpenick schon im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung besiedelt wurde, ist auch seine erste historische Erwähnung am 10.02.1209 älter als die von Berlin. Der Stadt, die nach dem slawischen Fürsten Jaxa de Copnic benannt ist, wurde 1232 erstmals das Stadtrecht zuerkannt und sie erhielt 1400 Morgen Land. Es entstand die Burg am heutigen Schlossplatz mit Straßensiedlungen vom Norden zur Burg.[1]

Als Pendant zum westlich gelegenen Spandow hatte Köpenick im Osten eine militärisch-strategische Bedeutung am Zufluss von Dahme und Spree. Es wurden hier die Wasserstraßen und Handelswege zum Handelsstandort Berlin-Cölln kontrolliert, das an einem besonders schmalen Spreeübergang geteilt war, und den Barnim im Norden von dem Teltow im Süden trennte.[2] Als östlicher Vorort wurde damit Cöpenick eine wichtige Rolle zuteil.

Taktisch wertvoll war auch die Tatsache, dass Cöpenick von Wasser umgeben war und sich somit „gegenüber ungebetenen Gästen oder Feinden leicht sperren und verteidigen“[3] ließ.

1323 trat Cöpenick dem Märkischen Städtebund bei, um sich besser gegen Raubritter verteidigen zu können. Die Bevölkerungszahl stieg nur langsam und bestand im 14. Jahrhundert aus 24 Hausbesitzern. Zudem kam, dass die slawischen Fischer, die im südöstlichen Kietz lebten keine bürgerlichen Rechte besaßen. Mit der Einführung des Marktrechtes 1424 erfuhren zumindest die Cöpenicker „eine bessere wirtschaftliche Lage“.[4]

Cöpenick litt wie viele Vororte unter wechselnden Machtverhältnissen und Kriegen. Schon in der Anfangszeit gab es blutige Auseinandersetzungen der Landesherren der Askanier und Wettiner. Der 30-jährige Krieg (1618-48) dezimierte dann die Haushalte von 91 auf 14.[5] Der 7-jährige Krieg (1756-63) brachte einen wirtschaftlichen Niedergang. 1760 besetzten dann russische Soldaten die Stadt.[6] Erneut folgten Plünderungen, Raub und Brandschatzungen.

Trotzdem rafften sich die Cöpenicker immer wieder auf. Dank der Unterstützung durch neue Zuwanderer wuchs die Zahl der Einwohner um 1700 auf ca. 100.

Durch den steigenden Handel wurde die Stadt immer mehr für neue Bürger interessant. Auch religiös Verfolgte wurden in die Mark Brandenburg gelockt (Vgl. Edict von Potsdam[7]), und sorgten für Zuwachs. Ende des 18. Jahrhundert zählte die Stadt 1495 Einwohner, zu denen noch weitere 221 Einwohner hinzukamen, die im südöstlich gelegenen Kietz lebten.  Jasters „Geschichte Cöpenicks“ beschreibt weiterhin, dass durch die von Friedrich dem Großen geförderte Ansiedlung geeigneter Arbeitskräfte aus dem Ausland neue Gemeinden im heutigen Köpenicker Raum entstanden sind, seit 1747 Müggelheim, seit 1749 Grünau und seit 1753 Friedrichshagen.[8]

Die Einwohnerzahl stieg bis 1870 auf fast 4000 an. Den größten Zuwachs verzeichnete Cöpenick aber in den darauf folgenden 50 Jahren und erreichte bis zur Angliederung an Berlin eine Zahl von über 50.000 Einwohner.

Der Stadtkern ist das kleine Eiland südlich an der Gabelung von Spree und Dahme. 1845 entstand die Gemeinde Rahnsdorf im Nordosten. Nachdem sich die Firma Spindler westlich des Stadtkerns in der Cöllnischen Vorstadt niedergelassen hatte, wurde 1874 der Cöpenicker Gutsbezirk mit den Gemeinden Spindlersfeld und Amtsfeld eingemeindet.

1876 wurde das Dorf Grünerlinde (Schönerlinde) einverleibt, 1898 folgte das Dorf Kietz, deren Bewohner schon seit slawischen Zeiten Fischereitätigkeiten nachgingen.

Zu eben dieser Zeit konnten sich vor den „Toren Berlins“ einige große Firmen ansiedeln. So entstanden 1868 die Friedrichshagener Brauerei und 1873 die Großwäscherei Spindler.

1897 wurde das Kabelwerk Oberspree (KWO) von AEG Gründer Emil Rathenau in Schöneweide in Betrieb genommen und war wichtigster Hersteller für Kabel, u.a. für Fernsprechleitungen und Starkstrom. Diese und andere Fabriken benötigten viele Arbeitskräfte, es entstanden Arbeiterwohnheime und die Zuwanderung nach Cöpenick stieg weiter. Heute erinnern immer noch Straßennahmen wie Siemensstrasse, Edisonstrasse oder Rathenaustrasse an den technischen Wirtschaftsstandort Schöneweide.[9]

Neben der Bedeutung als Industriestandort war Cöpenick mit seinen Seen und Wäldern aber auch als Ausflugsziel für die von der Stadtluft bedrängten Berliner[10]. Man kann sagen, dass Cöpenick seine Bedeutung als wichtiger Handelsweg im Mittelalter in einen Zufluchtsort der Berliner zur Zeit der Industrialisierung überführte. In den 50 Jahren nach 1870 hat sich dadurch in Cöpenick eine drastische Wandlung vollzogen, was sich auch im Wohl der Cöpenicker wiederspiegelte, die ihre Chance erkannten.

In dem folgenden Artikel wird nun beschrieben, welche infrastrukturellen Maßnahmen und wie die Beziehung der Berliner zu ihrem Vorort eine Rolle spielten, dass es zur Angliederung an Berlin kam.

 

[1] Ulrich Star, in 800 Jahre Köpenick – Das Lesebuch, Kunstfabrik Köpenick GmbH (Hrsg), 2009, Berlin, S. 13

[2] o.A., Köpenick – von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bezirksamt Köpenick (Hrsg), 1999, Berlin

[3] Ulrich Star, in 800 Jahre Köpenick – Das Lesebuch, Kunstfabrik Köpenick GmbH (Hrsg), 2009, Berlin, S. 13

[4] o.A., Köpenick – von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bezirksamt Köpenick (Hrsg), 1999, Berlin, S. 21

[5] ebenda, S. 33

[6] ebenda, S. 50

[7] ebenda, S. 38

[8] Jaster, Geschichte Cöpenicks, Scheunemann-Verlag, 1926, Berlin

[9] ebenda; heute hat sich die HTW Berlin in den Gebäuden des alten KWO niedergelassen.

[10] Die These „Stadtluft macht krank“ findet sich in vielen wissenschaftlichen Abhandlungen wieder und beschreibt als Ursache das rasche Anwachsen der Bevölkerung im Kontrast zur mangelnden Hygiene durch fehlende Kanalisation und Frischwasser. Dieser Nährboden für Krankheiten senkte die Lebenserwartung in einer Großstadt des 19. Jh. stark. Siehe auch Teuteberg, Stadtwachstum, Duncker & Humblot, 1986, Berlin.