Grünauer Persönlichkeiten Teil 1: Der Schriftsteller Stefan Heym

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In der neuen Beitragsreise „Grünauer Persönlichkeiten“ geht es heute um den Schriftsteller Stefan Heym (1913-2001). Der in Chemnitz als Helmut Flieg geborene Sohn eines Kaufmannes lebte in der Rabindranath-Tagore-Straße 9 im schönen Grünau, dem grünen Idyll Berlins. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der DDR. Die Kritik am aktuellen Zeitgeschehen ist Bestandteil vieler seiner Werke.

Der schon in jungen Jahren antimilitaristisch eingestellte Stefan Heym trat nach dem Reichstagsbrand 1933, der eine ganze Reihe an illegalen Verhaftungen nach sich zog, seine Flucht in die Tschechoslowakei an. Dort ließ er seinen Geburtstagsnamen Helmut Flieg hinter sich und nannte sich von nun an Stefan Heym. Im Jahr 1935 emigrierte er in die USA, wo er zwischen 1937 und 1939 Chefredakteur einer deutschsprachigen Wochenzeitung war. Im Anschluss an seine Tätigkeit im Journalismus begann Stefan Heyms Karriere als Schriftsteller. Zunächst ließ er seine Muttersprache noch hinter sich und publizierte in englischer Sprache. Im Jahr 1952, zur gleichen Zeit wie Bertolt Brecht, Thomas Mann und Charlie Chaplin, verließ auch Stefan Heym die USA. Im Jahr 1953 zog er zurück in die DDR.

Zurück in Deutschland protestierte Stefan Heym gegen die amerikanische Kriegsführung im Koreakrieg. Bereits wenige Jahre nach seiner Rückkehr wurde Stefan Heym ein Veröffentlichungsverbot seitens der Staatsführung der DDR auferlegt. Seit Beginn der 1970er Jahre konnte der ambitionierte Schriftsteller wieder publizieren, ab jetzt nur noch in seiner Muttersprache, in deutscher Sprache. 1976 protestierte Stefan Heym gemeinsam mit anderen DDR-Autoren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Schon 1982 plädierte der Grünauer Stefan Heym für die deutsche Wiedervereinigung. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 kämpfte er für eine gerechte Alternative zum Kapitalismus. 1993 begründete er mit anderen politisch Engagierten das Komitee für Gerechtigkeit. 1994 wurde er parteiloser Abgeordneter der PDS im Bundestag in Berlin Mitte-Prenzlauer Berg.

Stefan Heym war Ehrenbürger in seiner Geburtsstadt Chemnitz sowie Ehrendoktor in Cambridge und Bern. Seit 2004 trägt die Adlershofer Stadtteil Bibliothek seinen Namen. Die Stefan-Heym-Bibliothek befindet sich in der Dörpfeldstraße 56 in 12489 Berlin.

Als literarisches Beispiel zum Abschluss nun noch das im Jahr 1972 in der DDR erschienene Buch „Der König David Bericht“. Schwerpunktmäßig setzt Stefan Heym sich in diesem Werk mit dem Thema Machtmissbrauch auseinander. Außerdem ist das Buch als Stalinismus-Kritik zu lesen und thematisiert die im Sozialismus vom Regime abgelehnten Buchveröffentlichungen. Im Weiteren setzt sich Stefan Heym, selbst Sohn einer jüdischen Familie, mit dem Jüdisch-Sein auseinander:

Wenn Sie ein Buch von mir lesen, glaube ich nicht, dass Sie sagen werden, das muss ein Jude geschrieben haben. Es kann genauso gut ein Nichtjude geschrieben haben. Andererseits, den König-David-Bericht und andere Bücher dieser Art können eben nur jüdische Schriftsteller geschrieben haben, die den Geist eines Menschen wie David oder Ahasver oder auch Jesus aus der Geschichte der Juden heraus begreifen können, aus der Geschichte einer ständig unterdrückten Minderheit.“1

Wenn Sie das nächste Mal an der Grünauer Rabindranath-Tagore-Straße 9 vorbei schauen, werden Sie sich erinnert fühlen an einen der bedeutendsten Schriftsteller der DDR: Stefan Heym.

1 Koelbl, Herlinde: Jüdische Portraits. Photographien und Interviews von Herlinde Koelbl, Frankfurt/M, S. Fischer, 1989, S. 115 – 117